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Welt und Gott Zeitlose Wahrheiten - Band 3
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Welt und Gott Zeitlose Wahrheiten - Band 3

ISBN: 978-3-930889-20-4

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Art.Nr.: 42128
Welt und Gott Zeitlose Wahrheiten - Band 3

In diesem Buch werden Beispiele beschrieben, die viel Wissen über das Leben vermitteln. Die Hauptaussage: Das Leben ist der beste Lehrer. Deswegen erfahren wir hier von verschiedenen Schicksalen, die uns berühren. Wir erhalten die Chance, uns selber zu betrachten und daraus zu lernen.
Ein Buch, das uns vermittelt, wie kostbar ein Leben ist, wie viele verschiedene Ebenen der Betrachtung es gibt und wie viel Grund wir haben, nicht nur unser Leben wertzuschätzen, beziehungsweise zu lieben.

Leseprobe:

Zeitlose Wahrheiten Band 3

Dr. Stephan von Stepski-Doliwa
Isaak oder der richtige Zeitpunkt

Es war einmal ein guter Junge namens Isaak. Er ehrte seine Eltern, war gut in der Schule, befolgte die religiösen Lehren und ging regelmäßig in die Synagoge. Hier war er sehr auf einen Rabbi ausgerichtet. Wann immer Isaak religiöse oder sonstige Fragen über das Leben hatte, die seine Eltern nicht beantworten konnten, fragte er seinen Rabbi, und der wusste immer Rat.

Isaak war aber kein Streber, kein Angeber, kein Pfennigfuchser und auch keiner, der die Schrift buchstabengetreu auslegte. Vielmehr versuchte er deren Inhalt so zu verstehen, wie er gemeint war. So half er, wo immer er konnte – auch am Sabbat –, und war nicht damit einverstanden, dass manch ein gläubiger Jude der Ansicht war, man dürfe am Sabbat nichts tun, auch nichts, was anderen helfen würde. Isaak erlebte es als eine Farce, dass einige dieser Gläubigen sich am Sabbat, um ja nichts zu tun, stundenlang vor den Fernseher setzten und sich zum Teil die schrecklichsten Filme ansahen.

Tun die nichts, wenn sie sich derartige Filme ansehen?‘, fragte sich Isaak. ‚Natürlich tun sie etwas!‘, beantwortete er sich selber seine Frage. ‚Man ist immer tätig. Das Denken ist doch ein Tun, deshalb ist meine Devise: Ist dein Denken heilig, ist es dein Handeln auch!‘ So sprach Isaak häufig mit Gott und war immer bereit, dies oder jenes für andere zu tun.

So wuchs Isaak heran. Er ging durch die Wechselstürme der Pubertät, suchte intensiv nach einer Identität, auf die er sich verlassen konnte, und litt wie viele Jugendliche in diesem Alter darunter, dass er diese nicht, noch nicht, gefunden hatte und von inneren Spannungen geplagt wurde.

Als er sich wieder einmal von inneren Spannungen hin- und hergerissen fühlte, ging Isaak zu seinem Rabbi. Dieser empfing ihn liebevoll. Sie unterhielten sich über dieses und jenes, und langsam arbeitete der Rabbi ein wichtiges Gesprächsthema heraus.

Es war nämlich so, dass Isaak eine gemischte Schule besuchte, der Rabbi aber gar nichts von der so genannten Koedukation hielt. Er vertrat die Ansicht, dass Jungen und Mädchen ganz unterschiedliche Entwicklungen durchlaufen und dass Koedukation kein Zeichen von Gleichberechtigung ist. Er glaubte, dass die unterschiedliche Entwicklung von Jungen und Mädchen nicht respektiert wird, wenn beide Geschlechter unter den gleichen Bedingungen aufwachsen. Er war deshalb der Meinung, dass eine Wertschätzung des anderen gerade da beginnt, wo seine Andersartigkeit gesehen und gewürdigt wird.

Siehst und akzeptierst du den anderen nicht in seiner Verschiedenheit, so muss dieser doch stets befürchten, dass er abgelehnt wird, wenn sein wahres Wesen gesehen wird. Sage ich zum Beispiel: ‚Die Farbigen sind wie die Weißen, und ich finde sie wunderbar‘, so bezieht sich dieses Lob auf die Gleichstellung der Farbigen mit den Weißen, womit im Grunde die Weißen gelobt werden! Sage ich aber: ‚Die Farbigen sind in vielem anders als die Weißen, und sie sind wunderbar‘, so beziehe ich das Lob direkt auf die Farbigen und ihre Andersartigkeit.

So sollte es auch mit Männern und Frauen sein. Der Rabbi war berufen, darüber zu sprechen, denn er vertrat die Meinung, dass es natürliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, aber trotzdem keinen Wertunterschied geben darf. Das Gleiche sagte er bezüglich der Juden. Er war davon überzeugt, dass alle Menschen von Gott auserwählt sind. Es dürfe niemals Wertunterschiede geben, denn diese seien die Geburtsstätte aller Zwistigkeiten. Zieht ein Vater eines seiner Kinder vor, so ist der Streit vorprogrammiert. Eltern müssen die Kinder in ihrem Anderssein sehen und anerkennen, sie müssen sie aber alle gleich lieben. Tun sie dies nicht, werden die Kinder Schwierigkeiten haben, ein gutes geschwisterliches Einvernehmen aufzubauen.

Genauso verhält es sich mit den verschiedenen Rassen, Völkern, Stämmen und Religionen. Der Herr schuf sie, damit Seelen die idealen Chancen erhalten, um die ihrer Entwicklung entsprechenden Erfahrungen zu machen. Der Herr macht aber keinen Unterschied zwischen seinen vielen Kindern. Er liebt sie alle gleich – allein schon deshalb, weil sie alle Teile von Ihm sind. Und welcher normale Mensch wollte einen Teil von sich nicht lieben? Wollte einer zum Beispiel sagen, er hätte lieber vier Hände als zwei Hände und zwei Füße? Und der von vielen so geschmähte Po, wer wollte auf ihn verzichten? Wer hätte stattdessen lieber noch mal eine Brust und wollte sich darauf setzen?

Genauso verhält es sich mit den verschiedenen Völkern. Jedes hat seine Funktion. Jedes ist wichtig. Jedes ist gut. Jedes ist für die eine oder andere Situation entscheidend. Kein Körperteil ist überflüssig. Keiner schlecht. Nur Dummköpfe können eine Wertung zwischen Händen und Füßen, zwischen Bauch und Rücken vornehmen. Ein kluger Mensch dagegen weiß, wie viel ihm jeder Körperteil wert ist, wie sehr er jeden vermissen würde und wie sehr er dem Herrn dafür dankt, dass er sie hat – alle hat!

Der Rabbi war ein weiser Mann, deswegen bewertete er weder Körperteile noch Völker, weder Mann noch Frau unterschiedlich. Vielmehr liebte und achtete er sie alle. Er war ein weiser, ein guter Mann. Trotzdem oder gerade deswegen war er gegen die Koedukation. Besonders in der Pubertät, wenn Jungen und Mädchen ihre Identität suchen und von Gefühlen hin- und hergerissen sind wie Isaak zum Zeitpunkt dieses Berichts, ist die Koedukation nachteilig, weil dann beide Geschlechter versucht sind, diesen Spannungen dadurch zu entgehen, dass sie Beziehungen zum anderen Geschlecht aufnehmen. Was aber aus einer Not oder gar aus einer Krise erwächst, ist häufig nicht von Dauer und schadet am Ende mehr, als es zunächst zu helfen schien.

Der Rabbi sah die strahlende Zukunft, die Isaak vor sich hatte, und wollte ihn deshalb unbedingt vor einer frühzeitigen Beziehung „aus gemeinsamer Not“, wie er es nannte, bewahren.
So sagte er: „Ich erinnere mich noch genau an die Zeit, als ich so alt war wie du, Isaak. Mir war nicht klar, was ich tun, was ich mit mir tun sollte. Ich hatte auch deshalb lange ein Problem, weil ich nicht wusste, was ich machen, ob und, wenn ja, was ich studieren sollte. So verging die Schulzeit für mich unglaublich langsam. Einmal dachte ich, das Beste sei, ich würde heiraten und Kinder haben, durch den Druck der Verhältnisse würde sich dann schon etwas ergeben.

Es kommen immer wieder Menschen zu mir, die in einer ganz ähnlichen Situation sind. Ich erzähle ihnen dann die folgenden Geschichten.“ Der Rabbi machte eine kurze Pause. Isaak sah ihn aber so erwartungsvoll an, dass er viel schneller fortfuhr, als er vorgehabt hatte.

„Es war einmal ein König, der hatte ein ganz kleines Königreich. Es war so klein, dass es im Grunde kaum lebensfähig war, denn weder produzierte es genug, noch hatte der König genug Kontakte zu anderen Königen aufgebaut, damit diese ihm bei Gefahr helfen würden. Stattdessen suchte König Tamas jahrelang nach einer Prinzessin, die ihn heiraten und ein großes Reich als Mitgift mitbringen würde. Er suchte so lange, bis er sie fand. Er war überglücklich. Sie feierten eine wunderbare Hochzeit und lebten Tag und Nacht zusammen. Der König freute sich nicht nur über seine schöne und kluge Königin, sondern auch darüber, dass er nun über ein großes Reich herrschte. Der Vater seiner Gemahlin hatte dieses Reich aber nur schaffen und erhalten können, weil er glänzende Kontakte zu seinen Nachbarn unterhielt und in seinem Reich wichtige Produkte erzeugt wurden, die andere gerne kauften. König Tamas konnte dieses große Reich weder gut verwalten noch gute Kontakte zu seinen wichtigsten Verbündeten aufrechterhalten. So kam eines Tages ein starker Herrscher mit einem großen Heer, besetzte das Reich und vertrieb den König samt seiner Gemahlin.

König Rajas, der nicht nur das Reich von König Tamas, sondern auch viele andere Gebiete erobert hatte, war nie zufrieden. Er musste immer weiter. Er musste mehr und mehr erobern. Eine Stadt nach der anderen, ein Land nach dem anderen fielen ihm zu. Und trotzdem zog er weiter und weiter. Bis er eines Tages in einer Schlacht tödlich verwundet wurde und starb.

Ein dritter König hatte ein ebenso kleines Reich von seinem Vater geerbt wie unser König Tamas. Es war ein bescheidener, sehr friedliebender Mann, der König Sathwa. Es war ihm nicht wichtig, in Prunk und Luxus zu leben. Ihm war viel wichtiger, tätig sein zu können. In der Zeit, in der er sich nicht um seine Untergebenen kümmerte, arbeitete er stets und stetig als Goldschmied. Sein Motto war dabei: Tue gern, was du tust, und tue es so gut wie nur irgend möglich! So wurde er sowohl als König als auch als Goldschmied weit über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt.

Viele Herrscher besprachen sich gern mit ihm oder baten ihn, wenn sie ein besonders schönes Schmuckstück gefertigt haben wollten. Und alle waren beeindruckt von seiner Klugheit, seiner Kunstfertigkeit und seiner Zuverlässigkeit. So suchten viele Könige von nah und fern seine Freundschaft. Darüber hinaus war er seinem Volk ein leuchtendes Vorbild. Die Menschen sagten deshalb: „Wenn unser König so viel leistet, müssen auch wir uns anstrengen!“ Und so blühte und gedieh dieses Königreich. Jeder wollte darin leben, und keiner hatte ein Interesse daran, ihm etwas Böses zu tun. Einerseits nicht, weil die Menschen so von den charakterlichen Qualitäten dieses Landes beeindruckt waren, und andererseits, weil jeder fürchtete, dem guten König würden so viele Freunde zu Hilfe eilen, dass jeder Angreifer sich bald einer enormen Übermacht gegenüber sehen würde.“

Hier beendete der Rabbi seine Erzählung. Isaak saß mit halb geschlossenen Augen da – fast so, als schliefe er ein wenig. Der kluge Rabbi wusste aber, dass Isaak die Augen etwas geschlossen hatte, um sich noch besser in die Geschichte hineindenken, sich die einzelnen Bilder noch besser vorstellen zu können.

„Mein Lieber, weißt du, was die Geschichten bedeuten?“, fragte der Rabbi.
„Ich habe eine Idee. Ich weiß aber, wie wunderbar du Geschichten deuten kannst.
Bitte deute du sie deshalb!“, bat der Junge.

So sagte der Rabbi: „Der erste König ist träge und meint, seiner inneren Not dadurch entkommen zu können, dass er nach einer Lösung von außen sucht. Diese Lösung hilft ihm aber nur kurze Zeit. Außerdem ist sie gefährlicher als keine Lösung. Interessant ist nämlich, dass das Königreich überfallen wird, als es durch die Heirat größer geworden ist. Probleme im Außen sind immer Widerspiegelungen von Problemen im Inneren. Versuchst du, sie im Außen zu lösen, so geht es dir wie demjenigen, der Bauchschmerzen bekommt, weil er zu viel isst, und diese nun täglich mit Kompressen auf dem Bauch zu heilen versucht. Diese Kur hilft nichts, sondern ist insofern sogar gefährlich, als der Vielfraß in dem Irrglauben verharren kann, die Kompressen würden ihm helfen. Die einzig richtige Medizin ist in diesem Fall, weniger zu essen. Sie schafft sofortige und nachhaltige Erleichterung durch grundsätzliche Heilung.

König Tamas verstand nicht, dass er und seine Untertanen aktiver, kontaktfreudiger werden mussten. Es half niemandem, dass alle zunächst von den Beziehungen seines Schwiegervaters lebten. Die Kontakte hätten gepflegt, erneuert und intensiviert werden müssen. Da der König dies nicht tat, verlor er sein Königreich.

König Rajas war dagegen sehr aktiv. Er wusste genau, wie er seine Energien einzusetzen hatte, um das zu erreichen, was er erreichen wollte. Er war stark, dynamisch und sehr durchsetzungsfähig. Er kannte aber kein Maß. Er war in seiner Aktivität grenzenlos. Musste der eine lernen, dass Trägheit zum Scheitern führt, so musste König Rajas erfahren, dass grenzenlose Aktivität das Leben kosten kann.

König Sathwa dagegen war weise, weil er ausgewogen war. Weisheit ist nichts anderes als Ausgewogenheit. Deshalb ist es typisch für den Weisen, dass sein Urteil maß-voll, eben ausgewogen ist. Dieser König diente seinem Volk, indem er umsichtig, gerecht und liebevoll regierte. Außerdem war er für seine Familie da, denn er wusste, wie wichtig der Mann und Vater für die Familie ist, und er lebte seine Kreativität. König Sathwa lebte diese aber nicht in der Weise, dass er machte, was er wollte, sondern er war dem Gegenstand und den Auftraggebern ein guter Partner. So bearbeitete er das Gold, das Silber, die Edelsteine und die Perlen mit der größten Achtung und Liebe. Darüber hinaus begegnete er jedem als Freund. König Sathwa hatte sich gefunden. Und weil er sich gefunden hatte, fand er alle anderen auch.

Und wie fand er sie? Er sah in allen Brüder und Schwestern, Väter und Mütter, Kinder und Enkel. Er hatte sich gefunden, deswegen suchten die anderen ihn, weil sie bei ihm das zu finden hofften, was sie in sich noch nicht gefunden hatten. Der König wusste, dass sie dies nicht bei ihm finden würden. Aber weder belächelte er sie deshalb, noch gab er ihnen ‚gute Ratschläge‘, sondern er ging mit jedem so um, als habe er ganz viel von ihm zu lernen. Dies schuf eine Stimmung zwischen ihm und jedem anderen, in der jeder einen wichtigen Entwicklungsschritt machen konnte, weil er sich so anerkannt und gesehen fühlte, wie er war – und viele erlebten dies zum ersten Mal.

König Tamas verlor sein Königreich und musste fliehen. Seine Frau warf ihm deshalb häufig vor, was er alles falsch gemacht hätte.

König Rajas war immer nur von seiner Frau getrennt, um sie schließlich als Witwe zurückzulassen. Und wozu tat er das? Um unzählige Reiche zu erobern, die er alle verlor, als er frühzeitig starb.

König Sathwa kümmerte sich dagegen stets um seine Gemahlin. Er war für sie da, liebte und achtete sie. Gleichzeitig lebte er auch für sein Königreich und für seine Arbeit als Goldschmied. Weil er sich kannte, weil er die jeweiligen Grenzen kannte, übertrieb er nichts, vernachlässigte er nichts. So war seine Königin glücklich, an seiner Seite sein zu dürfen, denn auch sie spürte, wie seine Ausgewogenheit ihr ein Gefühl von Anerkennung, Geborgenheit und Liebe vermittelte. Deshalb herrschten im Königshaus eine Harmonie und ein Frieden, die sich über den Palast, die Städte und das Land bis hin zu den Nachbarstaaten ausbreiteten.

So viel und noch viel mehr erreichte dieser König – nur weil er sein Zentrum, seine Ausgewogenheit gefunden hatte.“

„Was für eine schöne Geschichte! Vielen, vielen Dank! Wie sehr du mich beschenkt hast!“ Isaak war sehr froh, denn die Geschichte hatte auch in seinem Herzen Ruhe entstehen lassen.

Nach einer kleinen Weile des Schweigens spürte Isaak plötzlich wieder die brennende Frage, deretwegen er zu seinem Rabbi gekommen war, und sagte deshalb etwas unvermittelt: „Ich habe aber doch noch eine Frage! Wie geht man eine gute Beziehung ein? Wann ist der richtige Zeitpunkt?“

„Ich will die zweite Frage zuerst beantworten“, sagte der Rabbi. „Der richtige Zeitpunkt ist immer dann erreicht, wenn jemand aus seiner Mitte heraus eine Beziehung eingeht. Geschieht es dagegen aus Not oder weil jemand vor einer Aufgabe fliehen möchte wie König Tamas, dann ist dies mit Sicherheit der falsche Zeitpunkt. Daher ist es so wichtig, dass Jugendliche Zeit für ihre Entwicklung haben. Sie können in dieser Zeit in den meisten Fällen gar nicht aufeinander eingehen, weil sie viel zu sehr mit sich beschäftigt sind, mit sich beschäftigt sein müssen. Deshalb ist dies auch die Zeit, in der viele junge Menschen anderen schwere Wunden schlagen – und auch selber tief verletzt werden!

Aus diesem Grund sollten sie, so schwer dies manchmal auch sein mag, ihren Weg in dieser Zeit allein gehen. Dadurch entwickeln sie die Stärke, die sie anschließend mit ihrem Partner teilen können – und dieses Teilen ist dann eine Handlung, durch die sie am Schluss nicht weniger, sondern mehr haben werden. Das ist das Wunder der Entwicklung: Wer sich gefunden hat, kann tun, was er will, er bekommt immer mehr. Wer bei anderen das sucht, was er in sich selbst suchen und finden sollte, verliert so lange immer mehr, bis er endlich seine seelischen Hausaufgaben macht!“

„Wie wichtig!“, rief Isaak strahlend aus. Er war so glücklich, dass er seinen Rabbi hatte, der ihn lehrte, führte und damit seinem Leben eine Ausrichtung gab.

„Ich habe verstanden, dass man keine Beziehung eingehen sollte, wenn man nicht in Kontakt mit seinem Inneren, vielleicht mit seiner Bestimmung gekommen ist.“
„Sehr richtig!“, bestätigte der Rabbi Isaaks Zusammenfassung.
„Ich habe aber noch eine Frage: Was sollte man beachten, wenn man eine Beziehung eingeht?“
„Möchtest du dies wirklich wissen? Auch wenn es viele, viele Fragen sind?“, fragte der Rabbi zurück. Kaum hatte er sie aber gestellt, wurde ihm bewusst, dass dies eine rein rhetorische Frage war, denn er kannte Isaak zu gut, als dass er hätte annehmen können, dieser ließe sich von Schwierigkeiten abschrecken.
So kam auch prompt die Antwort: „Unbedingt! Und seien es noch so viele Fragen! Glaube mir, ich werde mir jede merken und eines Tages, wenn es so weit sein sollte, eine nach der anderen durchgehen!“

„Also dann los!“, sagte der Rabbi, und Freude über Isaak strahlte in seinem Gesicht.

„Lernst du jemanden kennen, der dich interessiert oder der sich für dich interessiert, und du beginnst dich zu verlieben, so sollte deine erste Frage sein, ob du innerlich für eine Beziehung frei bist. Geht es dir so wie dem dritten König Sathwa, oder bist du noch verstrickt wie die beiden anderen?

Die zweite Frage ergibt sich aus der ersten, denn du musst klären, ob du diesen Menschen überhaupt liebst und willst.

3. Du solltest dir unbedingt darüber klar werden, was du von einer Beziehung erwartest. Was sind deine Ziele?
4. Was erwartest du von deinem Partner? Mache dir unbedingt eine Liste. Je klarer du dir darüber bist, was du erwartest, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du enttäuscht bist bzw. dein Partner es ist.
5. Was willst du geben?
6. Suchst du einen Lebenspartner? Willst du heiraten?
7. Kannst du allein sein?
8. Kannst du zu zweit sein?
9. Kannst du Nähe aushalten?
10. Bestehen noch Bindungen an dein Elternhaus, die eine Partnerschaft behindern?
11. Kannst du Verantwortung übernehmen?
12. Kannst du treu sein?
13. Kannst du dich anvertrauen?
14. Bist du konfliktfähig?
15. Wo kannst du und wo willst du Kompromisse eingehen?
16. Bist du großzügig und wohlwollend?
17. Welche Art der Beziehung suchst du – körperliche Nähe, geistigen Austausch, Spiritualität oder eine glückliche Mischung dieser drei?
18. Für den Mann: Kannst und willst du Frau und Kinder seelisch und materiell versorgen?
Für die Frau: Kannst du deinen Mann stützen und den Kindern eine gute Mutter sein?

Und dies solltest du deinen Partner fragen:

1. Ist er frei?
2. Will er eine Beziehung mit dir? Auch lebenslang?
3. Welche Lebensanschauung, welche Ideale hat er? Passen sie zu deinen?
4. Ist er offen und konfliktfähig?
5. Ist er wohlwollend?
6. Welche vorherigen Beziehungen hatte er?
a) Wie verliefen sie?
b) Wie gingen sie zu Ende?
c) Wie war’s mit der Treue?
d) Wie ist jetzt noch der Kontakt? Sind die Bindungen wirklich gelöst?

7. Wie ist der familiäre und persönliche Hintergrund? Das heißt, wie ist seine Familie, seine gesellschaftliche Schicht, der Beruf der Familienmitglieder, welche Hobbys hat er?
8. Wie ist seine emotionale Lage? Wie geht er mit anderen um? Ist er fröhlich oder depressiv, engagiert oder desinteressiert? Hat er Humor?
9. Wie steht es mit dem Kinderwunsch? Ist er bei beiden gleich? Wie sind die Erziehungsvorstellungen?
10. Haben beide einen ähnlichen Geschmack?

Und zum Schluss noch zwei entscheidendste Fragen: Könnt ihr Dinge besprechen, klären und einen wirklichen Konsens finden? Hält dein Gegenüber Abmachungen, hält es Verträge ein?

(vgl. dazu die noch ausführliche Liste in Beziehungen – Zeitlose WahrheitenBd. 2, S. 97 ff.).

Viele Fragen, nicht wahr, Isaak?“, beendete der Rabbi seine Aufzählung.

„Ja“, antwortete Isaak, „es sind wirklich viele Fragen. Aber eine ist wichtiger als die andere. Ich danke dir von ganzem Herzen, dass du dir die Mühe gemacht hast, sie aufzuzählen. Ich bin erstaunt! Ich bin wirklich erstaunt, dass du so viele Fragen aufzählen konntest, von denen ich eine wichtiger als die andere fand, obwohl ich selber auf keine einzige gekommen wäre.

Wie viel hat mir dieses Gespräch mit dir gegeben. Wie viele Fragen habe ich bekommen. Aber auch so viele Antworten. Zum Beispiel die, dass ich mich noch intensiver auf eine Beziehung vorbereiten muss. Wie wichtig! Wie entscheidend!“ Nun schwieg Isaak, und der Rabbi unterbrach die Stille nicht.

Nach einer Weile kam Isaak noch ein Gedanke, noch eine Frage, die er aber nicht aussprach: ‚Und was machen all diejenigen, die nicht so einen Rabbi haben?‘ Diese Frage machte ihm wieder einmal bewusst, was für ein Glück er hatte. Und am Abend betete er für alle seine Freunde, damit auch sie diese Hilfe bekämen.

Dann dachte er gleich an die erste Frage: ‚Bin ich frei? Nein, ich bin nicht frei!‘, beantwortete sich Isaak diese Frage sogleich. ‚Ich bin nicht frei, denn im Moment bin ich ganz auf meinen Rabbi ausgerichtet!‘

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Diesen Artikel haben wir am Dienstag, 26. April 2016 in unseren Katalog aufgenommen.